Welche Factoringmodelle existieren?

Aufgrund der drei Funktionen des Factoring und deren nahezu freie Kombinierbarkeit, existieren verschiedene Modelle, mit denen sich der Factoring-Prozess, je nach Bedarf des Factoring-Nehmers, abbilden lässt. In nachfolgender Übersicht können Sie sich über die möglichen Factoring-Arten informieren.

Delkredereschutz

Im Rahmen des echten Factoring (auch Non Recourse Factoring genannt) werden vom Factor neben dem Forderungsmanagement und der Finanzierungsfunktion auch der Forderungsausfall- bzw. der Delkredereschutz übernommen. Dieser beinhaltet den Kauf der Forderung durch den Factor ohne Rückgriffsmöglichkeit. Rechtsverfolgungskosten gehen somit voll zu dessen Lasten.

Beim unechten Factoring (auch Recourse Factoring genannt) wird die Delkrederefunktion nicht vom Factoring-Anbieter übernommen. Das Risiko des Zahlungsausfalls verbleibt somit beim Factoring-Nehmer, wodurch diese Form als eine Finanzierungsart mit kreditähnlichem Charakter bezeichnet werden kann. In Deutschland wird jedoch fast ausnahmslos das echte Factoring praktiziert.

Forderungsankauf

Dieses Modell ist der Regelfall und die meist genutzte Factoring-Form. Der Factor übernimmt die Forderungen aller Debitoren.

Im Zuge des Auswahlfactoring verkauft ein Unternehmen nur Forderungen von im Vorfeld bestimmten Debitoren an die Factoring-Gesellschaft. Somit wird lediglich ein Teil des Forderungsbestandes über den Factor finanziert.

Dieses Modell bietet die Möglichkeit einmalig offene Forderungen zu einem Stichtag an den Factor zu verkaufen. Auf diesem Weg kann eine Verkürzung der Bilanz erzielt werden. Dadurch verbessern Unternehmen ihre Liquiditätskennzahlen und somit auch ihre Bonität sowie Kreditwürdigkeit.

Der Einzelrechnungsankauf bietet die Möglichkeit einzelne Rechnungen über die Factoring-Gesellschaft abzuwickeln. Sowohl die Finanzierungsfunktion, als auch das Delkredere-Risiko und die Debitorenbuchhaltung werden hierbei vom Factor übernommen.

Offenlegung / Kommunikation

Hierbei wird der Debitor über den Forderungsverkauf informiert und aufgefordert direkt an den Factor zu zahlen. Dadurch wird den Kunden zum einen Unternehmenstransparenz und zum anderen Sicherheit durch einen starken Finanzierungspartner kommuniziert. Diese Form hat sich als das gängigste Modell in Deutschland etabliert.

Ist die Abtretung der Forderungen für den Debitor nicht ersichtlich, handelt es sich um stilles Factoring. Rechnungen werden weiterhin direkt an den Factoring-Nehmer bezahlt. Somit können auch Kunden, die ein vertragliches Abtretungsverbot vereinbart haben, über Factoring abgewickelt werden.

Beim halboffenen Factoring ist, wie beim stillen Factoring, die Abtretung der Forderungen für den Debitor nicht ersichtlich. Zum Unterschied wird jedoch auf der Rechnung das Konto des Factors angegeben, welches dennoch auf dem Namen des Mandanten läuft. Dadurch erfolgt keine Direktzahlung an den Factoring-Nehmer.

Leistungsumfang

Das Full-Service-Factoring ist das „Rundum-Sorglos-Paket“ unter den Factoringmodellen. Hierbei übernimmt der Factor, neben der Delkredere- und der Finanzierungsfunktion, auch die mit dem Factoring zusammenhängenden Dienstleistungen für den Factoring-Nehmer. Der Mandant muss sich nicht mehr um die Debitorenbuchhaltung, das kaufmännische Mahnwesen und die Forderungsbeitreibung kümmern und entlastet somit seine interne Buchhaltung.

Die Debitorenbuchhaltung, das kaufmännische Mahnwesen und die Forderungsbeitreibung verbleiben im Unternehmen des Factoring-Nehmers. Der Factor kümmert sich lediglich um die Finanzierung der Forderungen inklusive der Übernahme des Delkredere-Risikos.

Bei dieser Factoring-Variante erfolgt die Auszahlung des Rechnungsbetrages bei Zahlung durch den Debitor, spätestens jedoch bei Fälligkeit der Rechnung durch den Factor. Die Finanzierungsfunktion wird somit nicht direkt erfüllt, da keine sofortige Rechnungsauszahlung erfolgt. Jedoch besteht ein 100-prozentiger Ausfallschutz.

Sonderformen

Im Gegensatz zum klassischen Verfahren, bei dem der Factor von seinen Kunden Forderungen gegenüber deren Abnehmern ankauft und vorfinanziert, zielt Reverse-Factoring auf die Lieferantenseite. Initiator ist in diesem Fall der Abnehmer, der auf diese Weise in den Genuss längerer Zahlungsziele gelangt. Er schließt mit der Factoring-Gesellschaft einen Rahmenvertrag ab, in dem sich diese verpflichtet, die Forderungen des Lieferanten vorzufinanzieren. Lieferant und Factor unterzeichnen daraufhin ihrerseits einen ergänzenden Vertrag, der lediglich die Forderungen gegenüber dem Initiator umfasst. Die Factoring-Gesellschaft überweist den entsprechenden Betrag sofort bei Erhalt oder bei Fälligkeit der Rechnung an den Lieferanten.

Während des Insolvenzverfahrens sind finanzielle Mittel in der Regel schwer zu beschaffen. Insolvenz-Factoring richtet sich daher an Unternehmen, die sich in einem Insolvenzverfahren befinden. Hierbei steht vor allem die Liquiditätsbeschaffung im Vordergrund, um die begrenzte Kontokorrent-Linie zu entlasten und operative Freiräume zu gewährleisten. Im gleichen Zuge lässt sich auch das Delkredere-Risiko durch die Factoring-Finanzierung senken.

Abwicklung

Bequem können Sie Ihre Rechnungen über ein Onlineportal elektronisch hochladen. Nach Erhalt und Prüfung der Rechnungen erfolgt die Abrechnung und zeitnahe Auszahlung. Über das Factoring-Portal sind Sie jederzeit auf dem aktuellen Stand. So kann zusätzlich bei Bedarf eine komplette Zusammenstellung der eingereichten Rechnungen, bezahlter Vorschüsse und ausgezahlter Restbeträge eingesehen werden. Falls im Unternehmen keine eigene Finanzbuchhaltung vorhanden ist, können die Daten schnell und einfach an den Steuerberater übermittelt werden.

Das Offline-Factoring bezeichnet die physische Belegeinreichung und -verarbeitung. Hierbei lässt der Factoring-Nehmer dem Factor die Rechnungen i.d.R. postalisch zukommen. Die Rechnungen werden dann vom Factor selbst digitalisiert, was wiederum zusätzliche Kosten verursacht. Deshalb ist diese Form nicht mehr geläufig.